Urbaner Gartenbau

Urbaner Gartenbau


Die Bamberger Gärtnerstadt und das Modellprojekt „Urbaner Gartenbau“

Die Bamberger Altstadt wurde 1993 aufgrund ihres einmaligen Stadtensembles in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen. Diesen Titel bekam die rund tausendjährige Stadt aufgrund ihrer einzigartigen Struktur. Denn genau genommen besteht Bamberg aus drei Städten: der „Bergstadt“, der „Inselstadt“ und der „Gärtnerstadt“. Die „Bergstadt“ war im Mittelalter die kirchliche Stadt, die „Inselstadt“ die Bürgerstadt und die „Gärtnerstadt“ dient bis heute – wie ihr Name schon sagt – der Versorgung.

Die Gärtnerstadt ist jedoch weit mehr: Mit ihren zusammenhängenden innerstädtischen Gärtnerflächen bereichert sie bis heute das Stadtbild. Bereits seit dem Mittelalter wird in Bamberg urbaner Gartenbau betrieben. Für die Neuzeit zeigt der „Zweidlerplan“ von 1602, der älteste ausführliche Stadtplan Bambergs, deutlich, wie weit die Gartenbaukultur schon zu jener Zeit entwickelt war. Im Jahr 1858 zählte die Stadt über 500 Gartenbaubetriebe mit 540 Gärtnermeistern, vielen Gesellen und zahlreichen Gehilfen. Heute leben und arbeiten hingegen nur noch etwa 40 Gärtnerfamilien in ihren eigenen Betrieben in Bamberg. Dennoch erhalten sie ihre Tradition so lebendig, dass die Gärtnerstadt wesentlicher Teil des Weltkulturerbes ist.

Die Gärtnerstadt entstand im Hochmittelalter rund um den Steinweg (heute Königstraße), der damals ein wichtiger Handelsweg war. Noch heute sind im Kerngebiet der Gärtnerstadt, dem Bereich der heutigen Mittelstraße, nennenswerte Straßenzüge mit der ursprünglichen Bebauung erhalten. Das typische Gärtnerhaus ist eingeschossig. In seiner Mitte befindet sich eine Tordurchfahrt durch das Haus, die breit genug für einen Wagen ist. Links und rechts dieser Durchfahrt sind die Räume des Einfamilienhauses. Die Küche liegt nach hinten hinaus, Richtung Garten. Hinter dem Haus befindet sich der Hof mit einem kleinen Stall, Geräte- und Futterschuppen, dem Kompost und einem Brunnen. Von hier erstreckt sich der Garten mit seinen Blumen- und Gemüsebeeten, Obststräuchern und Bäumen.

Die innerstädtischen Gärtnerflächen sind nicht nur ein wichtiger Teil des Welterbes, sondern fungieren auch als strukturierendes und lebendiges Element der Stadtplanung. Denn die weitläufigen Anbauflächen bilden im dicht bebauten Bamberg einen wichtigen Kontrast zur Bebauung. Die durch sie gebildete „Leere“ gliedert die gesamte Stadtstruktur und schafft besondere städtebauliche Qualitäten, die es zu erhalten gilt.

Noch heute ist der urbane Gartenbau mitten in Bamberg lebendig. Durch den Rückgang dieses Gewerbes fielen aber schon viele innerstädtische Gärtnerflächen brach – Freigelände, über das sensibel verfügt werden muss. Um die bedeutenden Flächen innerhalb der Gärtnerstadt als Teil des UNESCO-Welterbes zu erhalten, behutsam weiterzuentwickeln und die Gärtnerbetriebe zu unterstützen, hat die Stadt Bamberg das Projekt „Urbaner Gartenbau“ (2009-2013) initiiert. Es verband Themen der Stadtplanung, des Denkmalschutzes, des Tourismus und des Erwerbsgartenbaus auf besondere Art. Das Zentrum Welterbe der Stadt Bamberg leitete das Projekt und es wurde aus Mitteln des Investitionsprogramms Nationale UNESCO Welterbestätten der Bundesrepublik Deutschland gefördert. In Bezug auf die Flächennutzung hatte das Projekt „Urbaner Gartenbau“ das Ziel brachliegende Gärtnerflächen zu rekultivieren und gärtnerische Freiflächen dauerhaft zu erhalten. Dies gelang u.a. mit der Einrichtung des Bamberger Sortengartens. Er grenzt direkt an die Freifläche des Gärtner- und Häckermuseums, beherbergt die ältesten und wichtigsten Lokalsorten und dient ihrer Erhaltung. 2013 wurde aus der ehrenamtlichen Gartengruppe ein eingetragener Verein, der sich seither um den Betrieb und die Weiterentwicklung des Sortengartens kümmert.

Mehr Informationen zu den Themen Welterbe Bamberg, Gärtnerstadt und dem Projekt „Urbaner Gartenbau“ erhalten Sie im Internet unter: www.welterbe.bamberg.de

 

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